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Deutsch-französische Wirtschaftskommunikation – Das interkulturelle Blog +++ Le blog interculturel de la communication économique franco-allemande

Die Zahl der Woche

Laut einer Studie der BPI Group und dem Institut du Leadership zum Thema « Das ideale Unternehmen » vom März 2012, geben 42% der befragten deutschen Arbeitnehmer an, dass sie meinen, dass ihr Arbeitgeber, Teamarbeit anerkennt und honoriert. Auf die gleiche Frage geben nur 24% der Franzosen eine ebenso positive Antwort. Teamarbeit wird im Hexagone laut der französischen Angestellten von nur knapp einem Viertel der Unternehmen gewürdigt.

Was man wissen sollte, wenn Deutsche und Franzosen erfolgreich zusammenarbeiten möchten…

Deutschland ist Frankreichs wichtigster Handelspartner und umgekehrt. Beide Länder verbindet eine lange gemeinsame Geschichte, man denke nur an Karl, den Grossen für die Deutschen oder Charlesmagne für die Franzosen. Aus der Ferne betrachtet, findet man auch unzählige Ähnlichkeiten zwischen den beiden Gesellschaften.

Und gerade diese Ähnlichkeiten und die geographische Nähe verleiten uns oft dazu, davon auszugehen, dass es ja wohl doch nicht so anders jenseits des Rheins sein kann. Was in Frankreich gilt, wird wohl auch schon in Deutschland funktionieren und umgekehrt. Ein fataler Irrtum!

Wer wirklich erfolgreich auf dem deutschen Markt agieren möchte, tut gut daran, sich neben den rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Unterschieden, auch mit den kulturellen Besonderheiten des Nachbarn auseinander zu setzen, und das von Anfang an und nicht erst, wenn es Konflikte und Auseinandersetzungen gibt.

Die Rolle von Politik und Wirtschaft

 Im Jahr 2010 lud der deutsche Botschafter Reinhard Schäfer Herrn Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens und ThyssenKrupp nach Paris ein, um eine Rede vor französischen Politikern und Medien zu halten, in der er  die deutsche Position in der Wirtschafts- und Finanzkrise erläuterte. Dass ein Vertreter der Privatwirtschaft um Verständnis für die offizielle deutsche Position warb, hat bei den Eliten Frankreichs einen starken Eindruck hinterlassen.

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Die deutsch-französische Industrie- und Handelskammer in Paris geht davon aus, dass 2010 gut 3000 deutsche Unternehmen eine Niederlassung, Tochtergesellschaft, Vertriebsstelle, Repräsentanz oder eine mehrheitliche deutsche Beteiligung am Gesellschaftskapital in Frankreich haben. Dazu kommen noch die unzähligen Unternehmen, die direkt nach Frankreich exportieren oder mit einem französischen Handelsvertreter zusammenarbeiten. Vielfach sind die deutschen Unternehmen mit ihrem Engagement jenseits des Rheins zufrieden. Dies sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass auch herbe Enttäuschungen und Misserfolge an der Tagesordnung sind. Häufig sind strategische Managementfehler der Grund dafür. Diese ließen sich oftmals durch eine kompetente Marketingberatung und interkulturelle Begleitung vermeiden.

1.      Eine umfassende Situationsanalyse wird nicht oder nur unzureichend durchgeführt!

Deutsche sind zwar in Frankreich dafür bekannt, immer alles bis ins letzte Detail zu planen, leider vergessen sie aber oft, eine umfassende Markt- und Unternehmensanalyse durchzuführen, bevor sie sich ins Frankreichgeschäft stürzen. Sie unterliegen der Ähnlichkeitsannahme, nach dem Motto „Wir sind doch alle Europäer“ und gehen davon aus, dass die Uhren bei den Galliern schon nicht so anders ticken werden. Notwendige Stärken-& Schwächen-Analysen, detaillierte Markt- und Wettbewerbsanalysen werden oft, nicht zuletzt aus Kostengründen, vernachlässigt. Vielfach mit verheerenden Folgen.

2.      Die genaue Zielsetzung für das Frankreich-Geschäft ist unklar!

Viele deutsche Geschäftsführer und Manager unterstellen implizit, dass Qualität „Made in Germany“ auch in Frankreich Erfolg haben wird. Es ist richtig, dass viele deutsche Produkte ein sehr gutes Image in Frankreich genießen. So wird beispielsweise kaum ein Franzosen, den Deutschen ihren Vorsprung in Sachen Umwelttechnologie absprechen. Diese Tatsache heißt aber noch lange nicht, dass sie automatisch dazu bereit sind, für die zugegebenermaßen bessere deutsche Qualität auch einen höheren Preis zu bezahlen. Deutsche Unternehmen sind deshalb gut beraten, sich genau zu überlegen, welche Produkte sie mit welchem Volumen und in welcher Zeit in Frankreich absetzen wollen. Nicht immer ist es sinnvoll, die gesamte Produktpalette auf dem französischen Markt zu vermarkten. (Lire la suite…)

BSR WerbungDie Plakatkampagne der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) im Herbst 2011 „Lola trennt“ ist ein schönes Beispiel für eine inhaltlich nicht standardisierbare Werbung.
Denn: Nur wer Deutsch spricht bzw. versteht und den Film ‚Lola rennt’ aus dem Jahr 1998 von Tom Tykwer mit Franka Potente und Moritz Bleitreu in den Hauptrollen gesehen hat, kann diese Werbung voll und ganz verstehen.
Für einen Franzosen, selbst wenn er den Film gesehen haben sollte (Französischer Titel „Cours, Lola, cours“) ergibt sich kein Reim (Sinn) zu dem französischen Wort ‚Trier’ für‚(Müll)-trennen.
Dies war sicherlich auch nicht die Absicht der BSR, aber wenn man bedenkt, dass 14 Prozent der Berlinerinnen und Berliner einen ausländischen Pass haben, sollte man vielleicht doch darüber nachdenken, ob man fast ein Sechstel seiner potentiellen Zielgruppe vom Verständnis einer Werbekampagne ausschliessen möchte.

 

Und: Viele deutsche Unternehmen, die im Ausland für ihre Produkte werben wollen, vergessen, dass Menschen aus anderen Ländern, nicht auf das gleiche kollektive Gedächtnis zurückgreifen können, wie sie selbst. Da bleiben Werbeflops nicht aus. Und je höher der Werbeetat, desto schmerzlicher der Misserfolg.
Deshalb: Interkulturelle Kenntnisse sind unerlässlich, um sich derartige Fehlinvestitionen zu ersparen.