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Deutsch-französische Wirtschaftskommunikation – Das interkulturelle Blog +++ Le blog interculturel de la communication économique franco-allemande

Im deutsch-französischen Beratungs- und Trainingsalltag stelle ich immer wieder fest, dass das Eigen- und Fremdbild der Deutschen und der Franzosen oft stark voneinander abweichen. Ein Beispiel: Bei der Vorbereitung einer Veranstaltung in Frankreich mit deutschen und französischen Partnern, bei der es um das wirtschaftliche Modell Deutschlands gehen sollte, schlugen die Franzosen als Arbeitstitel vor « Comment expliquer le miracle allemand? » was etwa soviel heisst wie « Wie kann man das deutsche Wunder erklären? » – gemeint war der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands. Die deutschen Partner fragten erstaunt, von welchem Wunder die Franzosen eigentlich sprächen, so rosig sei es in Deutschland in Zeiten der Krise nun auch nicht, von Wunder könne man wohl kaum sprechen. Dies wiederum passte so gar nicht zum Bild der Franzosen, das sie sich von Deutschland gemacht hatten und das einem auch fast täglich in der französischen Presse beschrieben wird – mal positiv – im Sinne von ‘Der erfolgreiche Nachbar und was wir von ihm lernen können’, mal negativ – im Sinne von Germanophobie: ‘Der wirtschaftlich starke Deutsche, der mit seiner Macht und seinem Einfluss alle anderen in den Schatten stellt und Angst macht’. (Lire la suite…)

Wer im deutsch-französisch – interkulturellen – Kontext arbeitet, kommt nicht umhin, sich mit der Kultur seines Gegenübers auseinander zusetzen. Schnell kann man Einigkeit darüber erzielen, dass die Kenntnisse über den Anderen, seiner Sprache, seiner Kultur, seiner Geschichte, seiner Wirtschaft, seiner Sitten und Gewohnheiten etc. wichtige Voraussetzungen sind, um erfolgreich miteinander zu kommunizieren und zu arbeiten. Dabei wird oftmals übersehen, dass die Kenntnisse der eigenen kulturellen Prägung, der sogenannten kulturellen Brille, durch die wir alle schauen und die Dinge sehen und interpretieren, mindestens genauso wichtig sind.

Die Diplom-Psychologin und Diplom-Religionspädagogin Dr. phil Sylvia Schroll-Machl beschreibt in dem Buch « Die Deutschen – Wir Deutsche. Fremdwahrnehmung und Selbstsicht im Berufsleben » sieben sogenannte deutsche Kulturstandards. Dazu zählen – laut der Autorin – beispielsweise Sachorientierung, Wertschätzung von Strukturen und Regeln, Zeitplanung und die Trennung von Persönlichkeits- und Lebensbereichen. (Lire la suite…)

M – das Wochenmagazin der Zeitschrift Le Monde – hat unlängst die Reportage ‘Scènes de ménages’ (auf deutsch: Ehekrach) über deutsch-französische Paare und deren Kommunikationsschwierigkeiten veröffentlicht. Die fangen bei der Sprache an, gehen über die Ess- und Schlafgewohnheiten der Deutschen und Franzosen bis hin zur Kindererziehung und der Rolle der Frau in der Gesellschaft.

Auch wenn es hier nicht um die Kommunikation in der Geschäftswelt geht, kann dieser Artikel für Franzosen, die in Deutschland leben und arbeiten und für Deutsche, die sich in Frankreich niederlassen wollen sehr aufschlussreich sein. Veranschaulicht es doch auf eindrucksvolle Weise, wie oft Kleinigkeiten zu Miss- und Unverständnis führen. Und in diesem Punkt unterscheidet sich das deutsch-französische Berufsleben nicht so sehr vom deutsch-französischen (Ehe)-Alltag. Auch dort sind es oft die als normal und erfolgreich (da praxiserprobt) empfundenen Verhaltens-, Kommunikations- und Managementstile, die beim Partner und Kollegen für Unmut und Unverständnis sorgen können. (Lire la suite…)

In seiner aktuellen Werbekampagne stellt der Autohersteller Ford die Frage nach dem, was typisch für Deutschland ist. Zählen dazu Werte wie Ordnung, Genauigkeit, Perfektion und Fleiss? Oder sind es eher Dinge wie Treue, Tatkraft und Aufrichtigkeit? Und wie interpretieren die heute Zwanzig- bis Dreizigjährigen diese Werte, die doch irgendwie ein bisschen altbacken erscheinen? Auf interessante Weise wird hier mit den Klischees, was das Deutschsein ausmacht gespielt. Auch die dynamische Komponente von Kultur wird auf witzige und anschauliche Weise dargestellt. Werte und deren Interpretation ändern sich mit der Zeit.

Die Frage nach der Nationalkultur und -identität beschäftigt auch immer wieder die Franzosen. So hat der Think Tank Institut Montaigne sich vor geraumer Zeit die Frage gestellt, was es bedeutet, Franzose zu sein: Qu’est-ce qu’être français ?. Die Frage allein hat schon genügt, um für einen gewissen Aufruhr und zum Teil für Unmut unter den Franzosen zu sorgen. Kann sich ein Mensch über eine Nation und seine Staatsbürgerschaft definieren. Interessante Antworten liefern die 19 befragten Personen aus Kultur, Wirtschaft und Politik - übrigens verschiedener Nationalitäten. Und wenn man mal von der Polemik absieht, die eine solche Frage verursachen kann, ist es schon eine höchstspannende Frage, ob und wie man sich über eine Nationalkultur definieren kann, auch wenn dies sicherlich immer nur ein Mosaikstein unter vielen sein kann, wenn man so etwas wie die Identität einer Person oder einer Personengruppe erfassen will.

Letzte Woche stosse ich in einer Gratiszeitung, die in der Lyoner Metro verteilt wird, auf den Artikel mit dem Titel: « Entreprises. Les Allemands boudent les Français« , was soviel heisst wie: « Unternehmen. Die Deutschen schmollen mit den Franzosen. » Der Journalist gibt in dem Artikel die Ergebnisse des ‘Obsérvatoire de l’authenticité’ wieder, das von dem Kommunikationsunternehmen Makheia Group und dem Marktforschungsinstitut Occurence durchgeführt wurde. Die Forscher haben herausgefunden, dass 56% der Franzosen, die Kommunikation deutscher Unternehmen glaubhaft finden, während nur 20% der  französischen Unternehmen Gnade in den Augen der Deutschen finden. Hingegen schenken 40% der Deutschen deutschen Unternehmen ihr Vertrauen; die Franzosen gehen mit den eigenen Unternehmen und deren Kommunikation härter ins Gericht: Nur 26% der Befragten sind bereit, die heimischen Unternehmen zu verteidigen.

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In Analogie zu dem Buch des AFP-Journalisten Jean-Louis De la Vaissière, in dem er der Frage nachgeht, wer die Deutschen sind (Qui sont les Allemands? ), ist es für die Deutschen interessant, eine Antwort auf die Frage zu finden, wer denn eigentlich die französischen Nachbarn sind.

Eine mögliche Antwort auf diese Frage kann man in der neusten IPSOS Flair-Studie finden. Diese Studie erscheint seit 2005 jährlich und versucht immer wieder aufs Neue, eine Bild der französischen Gesellschaft zu zeichnen. Die Studie steht 2013 unter dem Titel: « Chocs et sanctuaires » – Schock und Refugien. Gezeichnet wird darin ein Bild einer Gesellschaft, die zerrissen zu sein scheint. Einerseits wird die Vergangenheit verherrlicht, insbesondere die sog. « 30 Glorieuses », also die 50er bis 70er Jahre, andererseits ist die französische Gesellschaft mindestens genauso krisengeschüttelt wie weite Teile der industralisierten Welt. Erhalten oder aufgeben? Schützen oder Risiken aussetzen?  Grundfragen, die laut der IPSOS-Forscher, die Franzosen bewegen. (Lire la suite…)

Le 26 février 2013, les ministres du travail français et allemand ont inauguré la première agence de travail franco-allemande. L’objectif est de rendre la recherche de travail dans le pays du voisin plus simple mais aussi de favoriser la reconnaissance des diplômes. Premier pas immense vers un respect mutuel des compétences des uns et des autres. On ne peut que se féliciter de cette inauguration.

Pour plus d’informations cliquez: http://www.allemagne.diplo.de/Vertretung/frankreich/fr/__pr/nq/2013-02/2013-02-26-kehl-pm.html

Deutsch-französisches Personalmanagement

Während man in Deutschland vom Vorgesetzten spricht und damit in der Regel, die Person meint, die landläufig auch Chef genannt wird, spricht man in Frankreich häufig vom N+1 (« N plus un »). Schon beim Vergleich und der genaueren Betrachtung dieser zwei Begriffe, wird deutlich, dass es um völlig unterschiedliche Konzepte geht. Während in Deutschland die horizontale Ebene (derjenige, der vor einem sitzt) betont wird, wird bei dem Begriff N+1 die vertikale Dimension hervorgehoben (derjenige, der eine Stufe über einem ist).

Ein Wort – zwei Interpretationen – ein grosses Missverständnis

Als ich Anfang 2000 nach Frankreich umgezogen bin, hörte ich oft, dass Franzosen über sich selbst sagten, sie seien alle Individualisten und die französische Gesellschaft sei sehr individualistisch. Dies löste bei mir zunächst Verwunderung und Befremden aus. Meine Reaktion: « Na, die sind aber doch sehr selbstbewusst und erstaunlich, dass sie sich ständig selbst so loben. » Und unbewusst sah ich schon eines meiner Vorurteile bestätigt: « Franzosen sind arrogant! »
Meine unhinterfragte Interpretation dahinter: Ein Individualist ist ein Mensch, der seine eigenen Ideen hat, für diese eintritt und sie verteidigt und gegebenenfalls auch negative Konsequenzen in Kauf nimmt, um nach seinen Vorstellungen und sich selbst treubleibend zu handeln und leben. Ein Querdenker, jemand, der nicht mit dem Strom schwimmt, kein unreflektierter Ja-Sager, jemand, der auch mal aneckt, weil er sich vielleicht nicht immer an die gesellschaftlichen Regeln und Normen hält. Insgesamt war für mich der Begriff mit positiven Attributen belegt. Dieser Überzeugung war ich so lange, bis ich eines Tages wieder einen Franzosen sagen hörte: Wir sind alle solche Individualisten, zum Beispiel versuchen wir uns immer in der Schlage an der Supermarktkasse geschickt vorzudrängeln. »

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Stereotypen in der Werbung

Unlängst wurde im französischen Fernsehen ein sehr bemerkenswerter Werbespot für den Opel Corsa ausgestrahlt. Bemerkenswert ist dieser Spot bzw. diese Serie von Spots aus mehrererlei Gründen. Zum einen spricht der für einen Franzosen sehr deutschaussehende Opelfahrer nur deutsch. Laut dem Gesetz Toubon zur Verwendung der französischen Sprache in der Werbung (1994; nach seinem Autor Monsieur Toubon ‘Loi Toubon’ benannt) sind Werbungtreibende in Frankreich verpflichtet, die französische Sprache zu verwenden bzw. eine französische Übersetzung zu liefern. Dies führt dazu, dass man im französischen Werbefernsehen wesentlich weniger Anglizismen (oder auch andere Sprachen) als in Deutschland zu hören bekommt. Opel hält sich brav an die Gesetzesvorgabe; der gesamte Werbespot ist mit französischen Untertitel versehen. Dies ist natürlich schon deshalb sinnvoll, da nicht jeder fliessend Deutsch spricht und versteht. Nur am Ende des Spots verkündet der Deutsche stolz den Preis auf französisch mit einem nicht überhörbaren (typischen) deutschen Akzent.  Werbung Opel Corsa 111

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