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Deutsch-französische Wirtschaftskommunikation – Das interkulturelle Blog +++ Le blog interculturel de la communication économique franco-allemande

Author Archives: SD

Wer an Frankreich denkt, dem fallen in der Regel ‘gutes Essen’, ‘Eiffelturm’, ‘Paris’, ‘Liebe’, ‘Mode’ und ‘Romantik’ ein. Das sind zwar schöne Assoziationen, helfen aber nicht unbedingt so sehr, Frankreich im globalen Wettbewerb als leistungsfähige und innovative Industrienation zu positionieren. Das soll nun anders werden: Ende Januar 2013 fiel der Startschuss zur Schaffung einer ‘Marque France’. Gleich vier Minister und Ministerinnen haben dafür den Frankreich-Chef der Werbeagentur MacCann Philippe Lentschener und eine Expertengruppe beauftragt, bis Mai 2013 eine Konzept zur besseren Vermarktung Frankreichs vorzulegen. In Zukunft sollen innovative Spitzentechnologien und hochwertige Waren wie beispielsweise der Hochgeschwindigkeitszug TGV (Firma Alstom), Autos von Renault und Peugeot-Citroën oder auch Arzneimittel von Sanofi mit Frankreich vom Konsumenten spontan in Verbindung gebracht werden. Ob diese Strategie so aufgehen wird, wagen einige Kritiker zu bezweifeln. (Lire la suite…)

Deutsch-französisches Personalmanagement

Während man in Deutschland vom Vorgesetzten spricht und damit in der Regel, die Person meint, die landläufig auch Chef genannt wird, spricht man in Frankreich häufig vom N+1 (« N plus un »). Schon beim Vergleich und der genaueren Betrachtung dieser zwei Begriffe, wird deutlich, dass es um völlig unterschiedliche Konzepte geht. Während in Deutschland die horizontale Ebene (derjenige, der vor einem sitzt) betont wird, wird bei dem Begriff N+1 die vertikale Dimension hervorgehoben (derjenige, der eine Stufe über einem ist).

Ein Wort – zwei Interpretationen – ein grosses Missverständnis

Als ich Anfang 2000 nach Frankreich umgezogen bin, hörte ich oft, dass Franzosen über sich selbst sagten, sie seien alle Individualisten und die französische Gesellschaft sei sehr individualistisch. Dies löste bei mir zunächst Verwunderung und Befremden aus. Meine Reaktion: « Na, die sind aber doch sehr selbstbewusst und erstaunlich, dass sie sich ständig selbst so loben. » Und unbewusst sah ich schon eines meiner Vorurteile bestätigt: « Franzosen sind arrogant! »
Meine unhinterfragte Interpretation dahinter: Ein Individualist ist ein Mensch, der seine eigenen Ideen hat, für diese eintritt und sie verteidigt und gegebenenfalls auch negative Konsequenzen in Kauf nimmt, um nach seinen Vorstellungen und sich selbst treubleibend zu handeln und leben. Ein Querdenker, jemand, der nicht mit dem Strom schwimmt, kein unreflektierter Ja-Sager, jemand, der auch mal aneckt, weil er sich vielleicht nicht immer an die gesellschaftlichen Regeln und Normen hält. Insgesamt war für mich der Begriff mit positiven Attributen belegt. Dieser Überzeugung war ich so lange, bis ich eines Tages wieder einen Franzosen sagen hörte: Wir sind alle solche Individualisten, zum Beispiel versuchen wir uns immer in der Schlage an der Supermarktkasse geschickt vorzudrängeln. »

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Stereotypen in der Werbung

Unlängst wurde im französischen Fernsehen ein sehr bemerkenswerter Werbespot für den Opel Corsa ausgestrahlt. Bemerkenswert ist dieser Spot bzw. diese Serie von Spots aus mehrererlei Gründen. Zum einen spricht der für einen Franzosen sehr deutschaussehende Opelfahrer nur deutsch. Laut dem Gesetz Toubon zur Verwendung der französischen Sprache in der Werbung (1994; nach seinem Autor Monsieur Toubon ‘Loi Toubon’ benannt) sind Werbungtreibende in Frankreich verpflichtet, die französische Sprache zu verwenden bzw. eine französische Übersetzung zu liefern. Dies führt dazu, dass man im französischen Werbefernsehen wesentlich weniger Anglizismen (oder auch andere Sprachen) als in Deutschland zu hören bekommt. Opel hält sich brav an die Gesetzesvorgabe; der gesamte Werbespot ist mit französischen Untertitel versehen. Dies ist natürlich schon deshalb sinnvoll, da nicht jeder fliessend Deutsch spricht und versteht. Nur am Ende des Spots verkündet der Deutsche stolz den Preis auf französisch mit einem nicht überhörbaren (typischen) deutschen Akzent.  Werbung Opel Corsa 111

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Die Zahl der Woche

Laut einer Studie der BPI Group und dem Institut du Leadership zum Thema « Das ideale Unternehmen » vom März 2012, geben 42% der befragten deutschen Arbeitnehmer an, dass sie meinen, dass ihr Arbeitgeber, Teamarbeit anerkennt und honoriert. Auf die gleiche Frage geben nur 24% der Franzosen eine ebenso positive Antwort. Teamarbeit wird im Hexagone laut der französischen Angestellten von nur knapp einem Viertel der Unternehmen gewürdigt.

Was man wissen sollte, wenn Deutsche und Franzosen erfolgreich zusammenarbeiten möchten…

Deutschland ist Frankreichs wichtigster Handelspartner und umgekehrt. Beide Länder verbindet eine lange gemeinsame Geschichte, man denke nur an Karl, den Grossen für die Deutschen oder Charlesmagne für die Franzosen. Aus der Ferne betrachtet, findet man auch unzählige Ähnlichkeiten zwischen den beiden Gesellschaften.

Und gerade diese Ähnlichkeiten und die geographische Nähe verleiten uns oft dazu, davon auszugehen, dass es ja wohl doch nicht so anders jenseits des Rheins sein kann. Was in Frankreich gilt, wird wohl auch schon in Deutschland funktionieren und umgekehrt. Ein fataler Irrtum!

Wer wirklich erfolgreich auf dem deutschen Markt agieren möchte, tut gut daran, sich neben den rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Unterschieden, auch mit den kulturellen Besonderheiten des Nachbarn auseinander zu setzen, und das von Anfang an und nicht erst, wenn es Konflikte und Auseinandersetzungen gibt.

Die Rolle von Politik und Wirtschaft

 Im Jahr 2010 lud der deutsche Botschafter Reinhard Schäfer Herrn Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens und ThyssenKrupp nach Paris ein, um eine Rede vor französischen Politikern und Medien zu halten, in der er  die deutsche Position in der Wirtschafts- und Finanzkrise erläuterte. Dass ein Vertreter der Privatwirtschaft um Verständnis für die offizielle deutsche Position warb, hat bei den Eliten Frankreichs einen starken Eindruck hinterlassen.

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Die deutsch-französische Industrie- und Handelskammer in Paris geht davon aus, dass 2010 gut 3000 deutsche Unternehmen eine Niederlassung, Tochtergesellschaft, Vertriebsstelle, Repräsentanz oder eine mehrheitliche deutsche Beteiligung am Gesellschaftskapital in Frankreich haben. Dazu kommen noch die unzähligen Unternehmen, die direkt nach Frankreich exportieren oder mit einem französischen Handelsvertreter zusammenarbeiten. Vielfach sind die deutschen Unternehmen mit ihrem Engagement jenseits des Rheins zufrieden. Dies sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass auch herbe Enttäuschungen und Misserfolge an der Tagesordnung sind. Häufig sind strategische Managementfehler der Grund dafür. Diese ließen sich oftmals durch eine kompetente Marketingberatung und interkulturelle Begleitung vermeiden.

1.      Eine umfassende Situationsanalyse wird nicht oder nur unzureichend durchgeführt!

Deutsche sind zwar in Frankreich dafür bekannt, immer alles bis ins letzte Detail zu planen, leider vergessen sie aber oft, eine umfassende Markt- und Unternehmensanalyse durchzuführen, bevor sie sich ins Frankreichgeschäft stürzen. Sie unterliegen der Ähnlichkeitsannahme, nach dem Motto „Wir sind doch alle Europäer“ und gehen davon aus, dass die Uhren bei den Galliern schon nicht so anders ticken werden. Notwendige Stärken-& Schwächen-Analysen, detaillierte Markt- und Wettbewerbsanalysen werden oft, nicht zuletzt aus Kostengründen, vernachlässigt. Vielfach mit verheerenden Folgen.

2.      Die genaue Zielsetzung für das Frankreich-Geschäft ist unklar!

Viele deutsche Geschäftsführer und Manager unterstellen implizit, dass Qualität „Made in Germany“ auch in Frankreich Erfolg haben wird. Es ist richtig, dass viele deutsche Produkte ein sehr gutes Image in Frankreich genießen. So wird beispielsweise kaum ein Franzosen, den Deutschen ihren Vorsprung in Sachen Umwelttechnologie absprechen. Diese Tatsache heißt aber noch lange nicht, dass sie automatisch dazu bereit sind, für die zugegebenermaßen bessere deutsche Qualität auch einen höheren Preis zu bezahlen. Deutsche Unternehmen sind deshalb gut beraten, sich genau zu überlegen, welche Produkte sie mit welchem Volumen und in welcher Zeit in Frankreich absetzen wollen. Nicht immer ist es sinnvoll, die gesamte Produktpalette auf dem französischen Markt zu vermarkten. (Lire la suite…)

BSR WerbungDie Plakatkampagne der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) im Herbst 2011 „Lola trennt“ ist ein schönes Beispiel für eine inhaltlich nicht standardisierbare Werbung.
Denn: Nur wer Deutsch spricht bzw. versteht und den Film ‚Lola rennt’ aus dem Jahr 1998 von Tom Tykwer mit Franka Potente und Moritz Bleitreu in den Hauptrollen gesehen hat, kann diese Werbung voll und ganz verstehen.
Für einen Franzosen, selbst wenn er den Film gesehen haben sollte (Französischer Titel „Cours, Lola, cours“) ergibt sich kein Reim (Sinn) zu dem französischen Wort ‚Trier’ für‚(Müll)-trennen.
Dies war sicherlich auch nicht die Absicht der BSR, aber wenn man bedenkt, dass 14 Prozent der Berlinerinnen und Berliner einen ausländischen Pass haben, sollte man vielleicht doch darüber nachdenken, ob man fast ein Sechstel seiner potentiellen Zielgruppe vom Verständnis einer Werbekampagne ausschliessen möchte.

 

Und: Viele deutsche Unternehmen, die im Ausland für ihre Produkte werben wollen, vergessen, dass Menschen aus anderen Ländern, nicht auf das gleiche kollektive Gedächtnis zurückgreifen können, wie sie selbst. Da bleiben Werbeflops nicht aus. Und je höher der Werbeetat, desto schmerzlicher der Misserfolg.
Deshalb: Interkulturelle Kenntnisse sind unerlässlich, um sich derartige Fehlinvestitionen zu ersparen.