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Deutsch-französische Wirtschaftskommunikation – Das interkulturelle Blog +++ Le blog interculturel de la communication économique franco-allemande

Ein Wort – zwei Interpretationen – ein grosses Missverständnis

Als ich Anfang 2000 nach Frankreich umgezogen bin, hörte ich oft, dass Franzosen über sich selbst sagten, sie seien alle Individualisten und die französische Gesellschaft sei sehr individualistisch. Dies löste bei mir zunächst Verwunderung und Befremden aus. Meine Reaktion: « Na, die sind aber doch sehr selbstbewusst und erstaunlich, dass sie sich ständig selbst so loben. » Und unbewusst sah ich schon eines meiner Vorurteile bestätigt: « Franzosen sind arrogant! »
Meine unhinterfragte Interpretation dahinter: Ein Individualist ist ein Mensch, der seine eigenen Ideen hat, für diese eintritt und sie verteidigt und gegebenenfalls auch negative Konsequenzen in Kauf nimmt, um nach seinen Vorstellungen und sich selbst treubleibend zu handeln und leben. Ein Querdenker, jemand, der nicht mit dem Strom schwimmt, kein unreflektierter Ja-Sager, jemand, der auch mal aneckt, weil er sich vielleicht nicht immer an die gesellschaftlichen Regeln und Normen hält. Insgesamt war für mich der Begriff mit positiven Attributen belegt. Dieser Überzeugung war ich so lange, bis ich eines Tages wieder einen Franzosen sagen hörte: Wir sind alle solche Individualisten, zum Beispiel versuchen wir uns immer in der Schlage an der Supermarktkasse geschickt vorzudrängeln. »

Da ging mir zum ersten Mal auf, dass wir offensichtlich nicht dasselbe unter ein und demselben Begriff verstanden. Auf Nachfrage assozieren Franzosen zwar auch durchaus Positives mit Individualismus und Individualität, aber im alltäglichen Sprachgebrauch wird es oft eher synonym für « Egoist » und « Egoismus » verwendet.

Dies ist nur ein kleines Beispiel, um zu verdeutlichen, wie schnell wir uns missverstehen können, selbst wenn alle die besten Absichten haben, wenn wir Begriffe unreflektiert und vor allem unhinterfragt in einem anderen Kontext als dem uns vertrauten benutzen.

Mit ähnlichen Schwierigkeiten sind Manager dies- und jenseits des Rheins konfrontiert, wenn sie deutsch-französische Teams führen. Begriffe wie Team, Teamarbeit, Projekt, Projektmanagement, Führung, Zusammenarbeit, Verantwortung, Delegation, Vertrauen etc. werden zwar auf beiden Seiten verstanden, aber oft völlig unterschiedlich gelebt und interpretiert. Deshalb mein Tipp für ein erfolgreiches interkulturelles Management und eine fruchtbare deutsch-französische Zusammenarbeit: Immer bei sich und anderen hinterfragen, was heisst das eigentlich für mich? Und was versteht der Andere darunter? Erst diese Art von Metakommunikation ermöglicht es, Missverständnisse möglichst schon im Vorfeld auszuräumen.

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