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Deutsch-französische Wirtschaftskommunikation – Das interkulturelle Blog +++ Le blog interculturel de la communication économique franco-allemande

Was man wissen sollte, wenn Deutsche und Franzosen erfolgreich zusammenarbeiten möchten…

Deutschland ist Frankreichs wichtigster Handelspartner und umgekehrt. Beide Länder verbindet eine lange gemeinsame Geschichte, man denke nur an Karl, den Grossen für die Deutschen oder Charlesmagne für die Franzosen. Aus der Ferne betrachtet, findet man auch unzählige Ähnlichkeiten zwischen den beiden Gesellschaften.

Und gerade diese Ähnlichkeiten und die geographische Nähe verleiten uns oft dazu, davon auszugehen, dass es ja wohl doch nicht so anders jenseits des Rheins sein kann. Was in Frankreich gilt, wird wohl auch schon in Deutschland funktionieren und umgekehrt. Ein fataler Irrtum!

Wer wirklich erfolgreich auf dem deutschen Markt agieren möchte, tut gut daran, sich neben den rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Unterschieden, auch mit den kulturellen Besonderheiten des Nachbarn auseinander zu setzen, und das von Anfang an und nicht erst, wenn es Konflikte und Auseinandersetzungen gibt.

Die Rolle von Politik und Wirtschaft

 Im Jahr 2010 lud der deutsche Botschafter Reinhard Schäfer Herrn Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens und ThyssenKrupp nach Paris ein, um eine Rede vor französischen Politikern und Medien zu halten, in der er  die deutsche Position in der Wirtschafts- und Finanzkrise erläuterte. Dass ein Vertreter der Privatwirtschaft um Verständnis für die offizielle deutsche Position warb, hat bei den Eliten Frankreichs einen starken Eindruck hinterlassen.

Dieses Beispiel verdeutlicht, wie unterschiedlich die Beziehungen zwischen Politik und Wirtschaft in Deutschland und Frankreich sind. Die Wirtschaft steht in Deutschland für Autorität und Kompetenz. Und Autorität wird in der Regel eher Spezialisten (hier Wirtschaftsspezialisten für Wirtschaftsfragen) zugestanden als Generalisten (z.B. Politikern). Für einen französischen Unternehmer bedeutet das, dass Deutsche einerseits von ihm als Firmenchef Expertenwissen und technische Detailkenntnisse erwarten und andererseits, dass er den Platz den Spezialisten lässt (auch wenn diese nicht den gleichen hierarchischen Status haben), wenn er mit diesen Kompetenzen nicht aufwarten kann.

Die Rolle der Unternehmensführung

Bei Verhandlungen zwischen Deutschen und Franzosen, bei denen der deutsche Geschäftsführer und sein Vertriebsdirektor anwesend waren, kamen die Franzosen nicht mehr aus dem Staunen raus, als der Vertriebsdirektor, der die vertraglichen Details und Rahmenbedingungen wesentlich besser kannte als sein Vorgesetzter, diesem offen widersprach und einen anderen Lösungsvorschlag während der laufenden Verhandlungen unterbreitete. Der deutsche Geschäftsführer reagierte darauf mit absoluter Gelassenheit und stimmte bereitwillig dem Vorschlag seines Mitarbeiters (Kollegen) zu, den er ohne Probleme als den inhaltlich besseren anerkannte. Die Reaktion der Franzosen: “In Frankreich wäre die Karriere des Vertriebsdirektors nach dieser Episode wahrscheinlich beendet gewesen.”

Ein weiterer fundamentaler Unterschied, der sich auch in den Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder widerspiegelt ist, dass Frankreich ein zentralistisch organisiertes Land ist; Deutschland ist dagegen föderalistisch. Ein Blick auf die Karte der SNCF und der deutschen Bahn mit den TGV- bzw. ICE-Linien genügt: In Frankreich führen fast alle Linien nach Paris. Gleiches kann man nicht für Berlin behaupten. Föderalismus bedeutet aber auch, dass erstens die Probleme gemäss dem Subsidiaritätsprinzip, an der Stelle gelöst werden, die am besten dafür geeignet ist. Dabei geht man davon aus, dass die Basis die besseren Lösungen liefern kann (da näher am Problem dran) als die Spitze. Und nur eine gemeinschaftlich abgestimmter Konsens ist langfristig durchsetzbar. Diese beiden Prinzipien gelten auch in den Unternehmen. Es ist nicht unbedingt der Chef, der die Lösung eines Problems liefert, sondern es kann auch durchaus der Techniker in der Werkshalle sein. Und die Mitarbeiter erwarten, dass sie bei Entscheidungen aktiv mit einbezogen werden. Bei Meinungsverschiedenheiten wird ein Kompromiss gesucht.

Die Rolle der Eliten

 Ein junger französischer Ingenieur, der in Deutschland studierte und dann als Trainee bei Bosch eingestellt wurde, kehrt nach mehreren Jahren nach Frankreich zurück, wo er weiterhin für Bosch im mittleren Management arbeitet. Verwundert stellt er fest, dass gleichaltrige französische Ingenieure, wesentlich ambitioniertere Vorstellungen von ihren Managementaufgaben und –funktionen haben. Sie sehen sich als Unternehmensstrategen, die wenig mit dem Alltagsgeschäft in den Werkshallen zu tun haben. Er hingegen ist es gewohnt, dass er mit den Technikern über konkrete Produktentwicklungen und –innovationen diskutiert und nachdenkt.

Neben historischen Gründen spielt die Sozialisierung des Einzelnen durch die Familie und die Schule eine zentrale Rolle, um Verhaltens- und Wahrnehmungsunterschiede in Deutschland und Frankreich zu erklären. Während in Frankreich die sogenannten Eliten, die in den ‘Grandes Ecoles’ ausgebildet werden, in Wirtschaft und Politik eine zentrale Rolle spielen, sind diese Posten in Deutschland von Menschen besetzt, die entweder an einer Universität und/oder im dualen System ausgebildet wurden. Der Begriff ‘Elite’ war jahrzehntelang tabu. Es hat deshalb auch keinen durchschlagenden Effekt, wenn Franzosen erwähnen, von welcher Eliteschule sie kommen. In Deutschland sind diese weitestgehend ungekannt.

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