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Deutsch-französische Wirtschaftskommunikation – Das interkulturelle Blog +++ Le blog interculturel de la communication économique franco-allemande

« Lola trennt » – Warum das kein Franzose verstehen kann

06/03/2012 | Posté par SD dans Deutsch-französisches Marketing / Marketing franco-allemand

BSR WerbungDie Plakatkampagne der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) im Herbst 2011 „Lola trennt“ ist ein schönes Beispiel für eine inhaltlich nicht standardisierbare Werbung.
Denn: Nur wer Deutsch spricht bzw. versteht und den Film ‚Lola rennt’ aus dem Jahr 1998 von Tom Tykwer mit Franka Potente und Moritz Bleitreu in den Hauptrollen gesehen hat, kann diese Werbung voll und ganz verstehen.
Für einen Franzosen, selbst wenn er den Film gesehen haben sollte (Französischer Titel „Cours, Lola, cours“) ergibt sich kein Reim (Sinn) zu dem französischen Wort ‚Trier’ für‚(Müll)-trennen.
Dies war sicherlich auch nicht die Absicht der BSR, aber wenn man bedenkt, dass 14 Prozent der Berlinerinnen und Berliner einen ausländischen Pass haben, sollte man vielleicht doch darüber nachdenken, ob man fast ein Sechstel seiner potentiellen Zielgruppe vom Verständnis einer Werbekampagne ausschliessen möchte.

 

Und: Viele deutsche Unternehmen, die im Ausland für ihre Produkte werben wollen, vergessen, dass Menschen aus anderen Ländern, nicht auf das gleiche kollektive Gedächtnis zurückgreifen können, wie sie selbst. Da bleiben Werbeflops nicht aus. Und je höher der Werbeetat, desto schmerzlicher der Misserfolg.
Deshalb: Interkulturelle Kenntnisse sind unerlässlich, um sich derartige Fehlinvestitionen zu ersparen.

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Une Réponse

  • Werbeflop? Misserfolg? Fehlinvestition?

    Wenn es eine Werbung gibt, die nicht vollkommen geistlos, sondern einfallsreich und oft witzig und außerdem erfolgreich ist, dann ist es die Werbung der BSR. Unvergessen die Sprüche „We kehr for you“, “Drei Wetter tough”, “Bin ich schon drin?”, “Eimer für alle” oder „Mc it rein“, der Saturday Night Feger, die Promenadenwischung Dirty Harry und die Hertha-Spieler Friedrich, Marcelinho und Bastürk im Dienst der Stadtreinigung, das angebliche Magnum-Werbe-Video mit französischem (!) Chanson im Hintergrund (dessen Text wahrscheinlich kaum jemand in Deutschland versteht) und der überraschenden Erkenntnis: „Kein Eis auf Berlins Straßen“, etc. etc.

    Klar: Wer deutsch und englisch kann, ist im Vorteil. Aber hier wird doch niemand vom Verständnis ausgeschlossen! Wer als Franzose (oder Türke oder Pole oder Italiener oder was auch immer) in Berlin lebt und passabel Deutsch kann, weiß wahrscheinlich vom deutschen Titel des Films und versteht auch die Anspielung. Wer als Franzose (oder Türke oder Pole oder Italiener oder was auch immer) in Berlin lebt und kein Deutsch kann, versteht die Anspielung nicht. Er sieht nur eine Frau mit einem Biomüll-Eimerchen. Aber wer ein bisschen nachdenkt, kommt vielleicht selbst auf die Idee, dass er seinen Biomüll in diesem Eimerchen sammeln und anschließend im Hof in die dafür vorgesehene Biotonne werfen könnte. Auch die anderen Mülltonnen sind mehr oder weniger ausschließlich mit deutschen Texten versehen. Die BSR geht wohl tatsächlich davon aus, dass Leute, die in Berlin leben, ein Minimum Deutsch verstehen, unabhängig von ihrem je spezifischen kollektiven Gedächtnis.

    Vielleicht sollte man über diese Frage weiter diskutieren, wenn französische Firmen ihre Werbekampagnen nach den in Paris lebenden Ausländern ausrichten, die der französischen Sprache nicht mächtig sind.

    NB: Ich habe diesen Kommentar im Juli 2012 in meinem eigenen Blog veröffentlicht, als die Kommentarfunktion hier aus technischen Gründen nicht funktionierte; in meinem Blog findet man auch die Links zu den angesprochenen Seiten:

    http://textundsinn.wordpress.com/2012/07/



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